Gründung des Forschungsverbunds Sprachwissenschaft und Kognition

Gründung des Forschungsverbundes für Sprachwissenschaft und Kognition (FSK) der Universität Stuttgart

 

Wissen, wessen Hose brennt

Artikel im Unikurier SS 09

 

Ein neuer Forschungsverbund an der Universität Stuttgart soll die Sprach- und die Kognitionswissenschaften, also die Erforschung von Fähigkeiten wie der Wahrnehmung, dem Denken oder dem Lernen, miteinander verbinden und dabei die Zusammenarbeit zwischen der Fakultät „Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik“ und der Philosophisch-Historischen Fakultät intensivieren. Sprecher ist der Linguist Prof. Klaus von Heusinge

Ob man eine brennende Hose ernst nehmen muss, hängt von kognitiven und linguistischen Details ab…     

 

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Ein Mann sieht im Spiegel, dass seine Hose brennt. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, er weiß, dass es seine Hose ist und man könnte sagen, dass er sich brennen sieht. Oder aber er weiß nur, dass einem Mann die Hose brennt, nicht aber, dass er selbst es ist. In etlichen Sprachen werden derlei subtile, aber in bestimmten Lebenslagen zentrale Wissensunterschiede unterschiedlich ausgedrückt. Deshalb ist die hier beschriebene Frage der so genannten Selbstreferenz sowohl für die Kognitionswissenschaft als auch für die Sprachwissenschaft von Bedeutung und soll künftig interdisziplinär untersucht werden. Hierzu erweitern Mitglieder des Instituts für Maschinelle Sprachverarbeitung (IMS) aus den Bereichen Phonetik und Computerlinguistik (Prof. Grzegorz Dogil, Junior Prof. Sebastian Padó und Prof. Hinrich Schütze) sowie Linguisten (Prof. Artemis Alexiadou, Prof. Klaus von Heusinger, Prof. Jürgen Pafel und Prof. Achim Stein) ihren Schwerpunkt zu Sprache und Kognition. Durch die Zusammenarbeit mit Prof. Thomas Ertl vom Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme und Prof. Hubig (Philosophie/Theorie der Simulation) kommen zwei weitere Bereiche dazu, für die diese Fragestellungen interessant sind. „Der Verbund wird das Profil der Universität Stuttgart weiter stärken und unseren Forschungsschwerpunkt stärker mit anderen Kompetenzbereichen der Universität verbinden“, benennt Sprecher von Heusinger die Ziele. „Außerdem bildet er die Grundlage für das Einwerben weiterer Einzel- und Verbundprojekte.“ In den Verbund fließt auch das von der Fritz Thyssen-Stiftung und der VolkswagenStiftung finanzierte Forschungsstipendium „opus magnum“ ein, mit dem von Heusinger im vergangen Jahr als einziger Wissenschaftler in Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde.Die Förderung dient dem Abschluss eines Projektes, das untersucht, wie Menschen sich mit Sprache auf die Welt beziehen. Darüber hinaus werden auch der Sonderforschungsbereich 732 „Incremental specification in context“ und das linguistische Graduiertenkolleg dem Verbund zugeordnet. Weitere Projekte zum Beispiel aus der Neurowissenschaft und bereits existierende Projekte zur Visualisierung und zur Mensch-Maschine-Interaktion werden folgen.

 

Dabei soll der Forschungsverbund Sprachwissenschaft und Kognition kein geschlossener Kreis bleiben, sondern allen Interessierten, auch Studierenden und Doktoranden, offen stehen. Sie können bereits seit einigen Semestern an gemeinsamen Forschungsseminaren teilnehmen und so schon früh die Wissenschaft hautnah erleben. An der Durchführung dieser Seminare hat auch der inzwischen pensionierte Prof. Hans Kamp vom IMS mitgewirkt, dem innerhalb des Verbunds ein Senior Fellowship übertragen wurde. Dadurch können der wissenschaftliche Nachwuchs sowie Kamps Kollegen weiterhin von dessen Erfahrung profitieren.                         

Regine Brandtner, Klaus von Heusinger                           

 

Link zu diesem Artikel:

http://www.uni-stuttgart.de/uni-kurier/uk103/forschen/neuer_forschungsverbund.html

 

KONTAKT

Prof. Dr. Klaus von Heusinger
Institut für Linguistik/Germanistik

e-mail: klaus.vonheusinger@ling.uni-stuttgart.de